{"id":1245,"date":"2023-04-17T14:56:31","date_gmt":"2023-04-17T12:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/?page_id=1245"},"modified":"2023-04-17T15:00:14","modified_gmt":"2023-04-17T13:00:14","slug":"wissensschaftstheorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/be-co\/wissenschaftliche-arbeiten\/fachspezifische-arbeiten-be-co\/wissensschaftstheorie\/","title":{"rendered":"Wissensschaftstheorie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>von Verena Gr\u00fcnwald<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">1. Einf\u00fchrung<\/mark><\/h1>\n\n\n\n<p>Diese Arbeit ist in zwei Bereiche gegliedert. Im ersten Teil (Kapitel 2 bis 10) wird das Buch \u201eWissenschaftstheorie f\u00fcr Einsteiger\u201c von Johann August Sch\u00fclein und Simon Reitze (2005, 2. Auflage, WUV Facultas, Wien) zusammengefasst und ein \u00dcber- und Ausblick bez\u00fcglich Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil (Kapitel 11 bis 13) wird auf das Spezialthema F\u00fchrungstheorie n\u00e4her eingegangen, und versucht, die im ersten Teil gewonnen Erkenntnisse auf dieses Gebiet umzulegen. Hierbei wurde vor allem auf den historischen Hintergrund sowie auf Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze der g\u00e4ngigsten Theorien wert gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend werden im Fazit die pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke \u00fcber die Arbeit zusammengefasst.<\/p>\n\n\n\n<h1><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">2. Wieso Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie<\/mark><\/h1>\n\n\n\n<p>Je intensiver man sich mit Erkenntnistheorie besch\u00e4ftigt, um so eindringlicher stellt sich die Frage nach dem \u201eWieso\u201c, vor allem, wenn man \u2013 mit fortschreitendem Studium der Materie \u2013 zu der \u201eErkenntnis\u201c gelangt, dass der Gegenstand von Erkenntnistheorie, die Entstehung von begr\u00fcndetem Wissen, und die Anforderungen an die Begr\u00fcndung, die sie liefern sollen nicht erf\u00fcllbar ist. Wieso m\u00fcssen wir wissen und wozu wird dieses Wissen ben\u00f6tigt? Mit einfachen Worten ausgedr\u00fcckt: Wir k\u00f6nnen nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Homo sapiens ist \u2013 im&nbsp; Gegensatz zur unbelebter Realit\u00e4t, dessen Steuerung, wie z.B. bei einem kybernetischen System, durch bestimmte vorgegebene Kalk\u00fcle erfolgt, wo die Ereignisse fest miteinander verbunden sind, es keine Alternativen und auch keine Steuerungsprobleme und damit keine Probleme mit Entscheidungen gibt \u2013 auf Gedeih und Verderb auf seine intellektuellen F\u00e4higkeiten angewiesen, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ben\u00f6tigt er folgende Voraussetzungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Aktive Eigenleistung, um den M\u00f6glichkeitshorizont zu er\u00f6ffnen<\/li><li>Steuerbarkeit der Leistungen mit Hilfe von Zielvorstellungen, Entscheidungskriterien und Abstimmung auf die Umwelt<\/li><li>Entwicklung von Sprache und offener Grammatik<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dies erlangt er durch Reduktion anderer \u00fcberlebensnotwendiger F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten sowie durch eine andere Art des Lernens. Nicht die Gene lernen, wie dies bei einfacheren lebenden Systemen, wie z.B. der Fliege der Fall ist, sondern das Individuum selbst. Dadurch wird es dem Homo sapiens m\u00f6glich, eine Gesamtwahrnehmung der Umwelt zu erlangen. Dieses direkte Lernen erfolgt \u00fcber die Eltern-Kind-Beziehung; darunter wird Reflexion verstanden, da es zu einer Interaktion zwischen den Individuen und damit zu einer Beeinflussung kommt. Der Aufbau eines sozialen Milieus sowie die Schaffung einer eigenen Form von Realit\u00e4t sind die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend daf\u00fcr ist jedoch die Entwicklung der Sprache. Durch die Sprache, eine offene Grammatik und einen Erfahrungspool von Begriffen werden Flexibilit\u00e4t und Thematisierbarkeit der Wirklichkeit erst m\u00f6glich, da S\u00e4tze und damit Aussagen erzeugt werden k\u00f6nnen. Die Sprache bewahrt und \u00fcbermittelt damit kognitive Leistung und das Gegenst\u00fcck: Emotionen. Jedoch so wertvoll die Sprache ist, ist sie auch fehleranf\u00e4llig und funktioniert nicht als Gleichprogrammierung einer Spezies. Deshalb ist Erkenntnistheorie notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wird nun Wissen produziert und verarbeitet? Der Mensch wird durch Prinzipien der Egozentrik und durch die Verwendung von Routinen in seinem Alltagsbewusstsein gesteuert. Diese Routinen sind jedoch automatisiert und operieren auf einer vereinfachten Ebene. Der Mensch kann jedoch \u2013 bei einer Fokussierung auf ein Problem \u2013 von Routine auf Reflexion umschalten. Es kommt zu einer Reduktion auf ein Thema, das ausgeweitet und differenziert werden kann. Unterschiedliche Typen von Wissen werden so erzeugt, die wiederum zu einer Verbesserung des Zusammenspiels von Individualisierung und Sozialstruktur und damit zu einer Verbesserung von Produktion und Verarbeitung von Wissen f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Theorie ist die Idealform institutionalisierter Reflexion. Es ist Reflexion, die sich von Zw\u00e4ngen der Praxis l\u00f6st, da sie sich auf sich selbst zentriert, eigene Strukturen und Kriterien entwickelt, sich vom allt\u00e4glichen Tun, Reden und Denken entfernt und ihre eigene Sprache verwendet. Theorie verlangt objektive Erkenntnis, die sie logisch begr\u00fcnden k\u00f6nnen muss. Der Anspruch der Theorie muss deshalb gekl\u00e4rt und begr\u00fcndet werden. Dies erfolgt \u00fcber eine Metatheorie, die Theorie \u00fcber eine Theorie. Das ist Erkenntnistheorie von Theorie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaft wiederum ist ein Sonderfall von institutionalisierter Reflexion. Die Wissenschaftstheorie besch\u00e4ftigt sich nicht nur mit der generellen Frage nach der M\u00f6glichkeit und Funktionsweise von Erkenntnis, sondern mit der speziellen Problemlage der Sonderform Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Aufgabe von Erkenntnis \u2013und Wissenschaftstheorie nicht erf\u00fcllbar ist (wie sich noch zeigen wird), folgt nun ein \u00dcberblick \u00fcber Probleme der Erkennens und der Wissenschaft anhand ihrer Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">3. Die Anf\u00e4nge von Erkenntnistheorie<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Das erste Mal st\u00f6\u00dft man in der Geschichte auf Erkenntnistheorie in der traditionellen Agrargesellschaft durch die Religion, die als Vorform angesehen wird. In der fr\u00fcheren archaischen Gesellschaftsform war der Mythos in Gestalt von Erz\u00e4hlungen, verbunden mit Geistern und G\u00f6ttern, die einfachste Form der Welterkl\u00e4rung. Erkl\u00e4rungsbedarf gab es nicht, da keine Alternativen bekannt waren, die diese kleine Gruppe von Menschen in ihren Stammesgeschichten kannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Entstehung der Religionen und der Weiterentwicklung der Gesellschaft zu Agrargesellschaften, mit klaren Grenzen zwischen der kleinen F\u00fchrungselite und der gro\u00dfen Anzahl an Bauern, kam es zu einer Formalisierung der Welterkl\u00e4rung durch Regeln und Kriterien (was ist gut, was ist schlecht) sowie einem codierten System von Vorstellungen, die zu einer institutionalisierten Religion verbunden wurden (wie kommt man zum richtigen Glauben). Dies war die vorherrschende Metaphysik.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Entstehung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und dem damit verbundenen Zusammenleben in St\u00e4dten ohne Bevormundung einer herrschenden Klasse, wurde der Geltungsbereich des Glaubens eingeschr\u00e4nkt, da Gott nicht mehr f\u00fcr alles verantwortlich gemacht wurde. Damit verlor auch die Metaphysik ihren Verwendungsbereich, um Erkl\u00e4rungen bzw. Erkenntnisse zu erlangen, sondern delegierten diese an das Individuum, um es dem Einzelnen zu \u00fcberlassen, an was er glauben m\u00f6chte und an welcher Glaubensrichtung er sich orientiert. Das setzte voraus, dass der Einzelne sich aktiv an der Gesellschaft beteiligte und daran teilnahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Philosophie (= das Nachdenken \u00fcber die Wirklichkeit, Liebe zur Weisheit), die in der griechischen Kultur entstand, war die erste, die sich von religi\u00f6sen Pr\u00e4missen l\u00f6ste und wurde als eine neue Form der Reflexion angesehen. Sie betrieb als erste systematische Erkenntnistheorie, da sie sich der Welt theoretisch zuwandte. Doch wie sollte das funktionieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Als erste H\u00fcrde stellten sich die Vorsokratiker die Frage, wie die reale Welt aufgebaut sei und wie sie funktioniert. Dies sahen sie als notwendig an, um ihre logische Struktur zu verstehen. Dadurch erhofften sie sich Erkenntnisse dar\u00fcber, wie es zu Verst\u00e4ndnis kommen kann. Drei Str\u00f6mungen zeichneten sich hier ab: die Naturphilosophie, als Versuch, die Ordnung der Welt zu erkl\u00e4ren, die Pythangoreer, die die Logik der Welt in der mathematischen Natur suchten und die Eleaten, die sich mit dem Verh\u00e4ltnis von Sein und Denken besch\u00e4ftigten. Vor allem Parmenides war der Ansicht, dass das Sein nur durch Denken erfasst werden k\u00f6nne. Dieses Sein er\u00f6ffnet den Blick auf die Logik der Dinge und der Erkenntnis. Damit war die Fr\u00fchform der Erkenntnistheorie geboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sophisten jedoch lehnten die Pr\u00e4missen der Vorsokratiker ab. Sie meinten, dass es keine Einheit bzw. Identit\u00e4t der Welt g\u00e4be und damit auch keine M\u00f6glichkeit Zugang zu einer objektiven Logik der Welt zu erlangen. Es g\u00e4be nur physis (Natur) und nomos (die Gesetzte der Menschenwelt).Die Erkenntnistheorie der Sophisten war radikal skeptisch und relativistisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Sokrates wendete sich gegen die Auffassung von beiden Richtungen und konzentrierte sich nur auf die Menschenwelt. Er war der Auffassung, dass richtiges Wissen zu richtigem Handeln f\u00fchren w\u00fcrde und versuchte Wissen und Handeln in \u00dcbereinstimmung zu bringen, um Handlungen normativ begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Jedoch muss zuerst voraussetzungsloses Denken entwickelt und falsches Wissen demontiert werden. Das wahre Wissen muss gefunden werden: scio nescio (Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df.)<\/p>\n\n\n\n<p>Platon, ein Sch\u00fcler Sokrates wendete sich dem Idealismus zu: unsere reale Welt ist nur die Erscheinung unserer Ideen, f\u00fcr Platon das wahrhaft Seiende, Unver\u00e4nderliche. Der Zugang zum Begreifen der Ideen ist die Erkenntnis der Ideen. Platon meinte, dass die Seele in einem fr\u00fcheren Stadium diese Erkenntnis schon einmal erfasst h\u00e4tte und sich damit nur wieder erinnert (anamnesis). Daf\u00fcr jedoch muss das Denken geschult werden, um zu erkennen, dass die Welt der Erscheinung&nbsp; nicht automatisch zur Welt der Ideen f\u00fchrt: die blo\u00dfe Wahrnehmung dessen, was ist, ist noch lange keine Erkenntnis der Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Aristoteles, einem Sch\u00fcler von Platon, kam es zum H\u00f6hepunkt und gleichzeitig zum Abschluss der Erkenntnistheorie der griechischen Philosophie. Er besch\u00e4ftigte sich mit dem Seienden. Sein war f\u00fcr ihn Bewegung, dahinter steht eine bewirkende Kraft, die jedoch auch bedingt ist. Der Mensch ist das animal rationale. Er verbindet nicht nur die vegetative Seele, die Sinnesseele und das niedere Streben, das allen Lebewesen inne wohnt, sondern auch die Geistesseele, also das Bewusstsein, und das h\u00f6here Streben. Die Eigenschaften umfassen die F\u00e4higkeit zur Ethik sowie die F\u00e4higkeit zur Erkenntnis. Gott ist die Ursache der Ursache der Ursache; er ist die letzte Ursache, das reine Sein, die reine Form der unbewegte Beweger, der alles bewegt, aber nicht selbst bewegt wird. Gott wurde bei Aristoteles zum logischen Prinzip des Seins mit formalen Eigenschaften und strikt gebunden an Pr\u00e4missen und Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sein wird zum logisch geordneten Kosmos, der Geist muss jedoch logikf\u00e4hig sein, um diese Ordnung zu erfahren. Das Sein wurde von Aristoteles weiter aufgegliedert. Er entwickelte ein Funktionsmodell des Denkens, welches mit der Vorstellung arbeitete. Die Logik ist die Ordnung der Dinge und die Ordndung des Denkens. Mit der Ordnung des Denkens wird die Ordnung der Dinge beschrieben. Der Verstand arbeitet mit Begriffen, Urteilen und Schl\u00fcssen. Mit den Begriffe werden Objekte und Gegenst\u00e4nde benannt, also definiert. Dadurch kommt es zu Ordnung und Abgrenzung. Weiters kommt es zu einer Verbindung von Begriffen, die zu Fragen f\u00fchren. Urteile sind eine Aussage \u00fcber einen Zusammenhang. Urteilen k\u00f6nnen sich nur auf Dinge beziehen, die eindeutig definiert sind, sie m\u00fcssen widerspruchsfrei, also wahr oder falsch, sein. Da sie eine dritte M\u00f6glichkeit ausschlie\u00dfen, kommt es zu Eindeutigkeit. Mit dem Urteil ist die Wahrheit erreicht. Es gibt eine \u00dcbereinstimmung von Wirklichkeit und logischer Stimmigkeit. Mit den Schl\u00fcssen schaffte Aristoteles eine Generalisierung von Erkenntnissen und damit eine Methode der \u00dcbertragung von Wahrheit auf andere Sachverhalte. Damit gab es ein System von Wahrheiten: eine Theorie.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">4. Der Neubeginn unter ver\u00e4nderten Bedingungen<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Verfolgt man die Geschichte weiter, erlebt man den Untergang der griechischen Kultur, den Aufstieg und den Untergang des r\u00f6mischen Reiches, in dem nicht viel Platz f\u00fcr die philosophischen Richtung herrschte, da diese Gesellschaft vor allem auf Technik und Ingenieurtum ausgerichtet war, und erreicht schlie\u00dflich die Zeit des mittelalterlichen Feudalismus, wo es f\u00fcr die Erkenntnistheorie wieder anf\u00e4ngt interessant zu werden. Zu dieser Zeit \u2013 gepr\u00e4gt von einer traditionellen Agrargesellschaft \u2013 findet man ein doppeltes Herrschaftsprinzip: die weltliche Feudalhierarchie und die christliche Amtskirche als eigenes System. Die Kirche, mit ihrem Lese- und Schreibmonopol erlangte einen starken Machtfaktor, auch durch die Schreibt\u00e4tigkeiten, die sie f\u00fcr die weltliche Herrschaft aus\u00fcbte. Damit waren die damaligen Universit\u00e4ten durchwegs kirliche Einrichtungen und ihr Personal waren Kleriker, die die geistige Beherrschung der Welt demonstrierten. Zu dieser Zeit entstand die Scholastik, unter der man heute eine eher verstaubte&nbsp; B\u00fccherwissenschaft versteht, die aber damals Theologie als interne und externe Ressource, die Pflege der Literatur sowie geordnete Diskurse als ihre Hauptbereiche ansah. Es kam zu einer intensiv gef\u00fchrten erkenntnistheoretischen Diskussion in theologischer F\u00e4rbung. Dadurch konnte erkenntnistheoretisches Denken konserviert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sp\u00e4tmittelalter entwickelte sich durch einen neuerlichen Aufschwung des Handwerks, des Handels und der St\u00e4dte eine b\u00fcrgerliche Sozialphilosophie, die zu einer Emanzipation der Reflexion, weg von religi\u00f6sen Funktionen und Pr\u00e4missen, f\u00fchrte.&nbsp; Auch kam es zu einer Zunahme von Wissen und dessen Verwertung, da dies nun nicht mehr l\u00e4nger in der Hand der Kleriker lag. Die neuen Tr\u00e4ger und Leittypen der Reflexion waren engagierte Privatm\u00e4nner und Amateure; es kam zu einem Austausch von Erfahrungen, Problemen und Interpretationen und damit zu einem starken Wachstum von Wissen und der Erkenntnisf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar wurden Religion und Erkenntnis getrennt, jedoch kam es zu einer Spaltung der Einheit der Erkenntnis. Als Antwort auf die Frage, auf welchem Weg man zur richtigen Erkenntnis k\u00e4me, gab es zwei Antworten: den Rationalismus, mit seiner Betonung auf die geistige Leistung der Erkenntnis als auch die Analyse der Funktionsweise des Denkens, und den Empirismus, mit seinem Akzent auf die zentrale Funktion von realer Erfahrung sowie auf die Hervorhebung der Bedeutung des sinnlichen Kontakts zur Welt. Also betrachtete die eine Richtung den Verstand, die andere die Erfahrung als Grundlage von Erkenntnis. Die Gemeinsamkeit, die jedoch blieb, war die Konzentration auf das erkennende Subjekt im Zentrum der Reflexion.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der wichtigsten Vertreter des Rationalismus war Descartes, der an der klassischen Erkenntnistheorie ankn\u00fcpfte, jedoch mathematisches Denken, die Arithmetik und die Geometrie einsetzte, um damit formalisierte Modelle als Grundlage der Erkenntnis zu erlangen. Dadurch sei eine methodisch, kontrollierte Erfassung der Welt m\u00f6glich. Erkenntnis war bei Descartes von logischer Bearbeitung abh\u00e4ngig und wurde durch intellektuelle Leistungen hervorgebracht. Weiters sah er eine Trennung von Subjekt und Objekt, von Geist und Materie, und damit die definitive Abnabelung und Entkoppelung von der Theologie und ihren Pr\u00e4missen. Descartes \u00f6ffnete damit in Richtung einer Bindung von Erkenntnis an Methode.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den wichtigsten Vertretern des Empirismus geh\u00f6rte Francis Bacon, der auch als dessen Wegbereiter gilt. F\u00fcr Bacon war wahre Erkenntnis nur m\u00f6glich, wenn der Mensch sich von Vorurteilen befreiten, sogenannten \u201eidola\u201c oder Trugbildern, die er in vier Gruppen unterschied: das Trugbild des Stammes, das Trugbild der H\u00f6hle, das Trugbild des Marktes und das Trugbild des Theaters. In der grundlegenden Aussage geht es darum, dass auch Wissenschaftler anf\u00e4llig sind f\u00fcr Moden, Verzerrungen, Ablehnungen und damit verbundnen Beeintr\u00e4chtigungen des Denkens. Um jedoch ein wirkliches Abbild der Natur zu bekommen, muss es ein Zusammenspiel von empirischer Erfahrung und ordnender T\u00e4tigkeit des Geistes geben, damit sich der Mensch das n\u00f6tige Wissen aneignen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit sich jedoch die moderne Wissenschaft entwickeln konnte, ben\u00f6tigte es einer Revolution. Eine davon war die Idee, systematisch Informationen zu sammeln. Die Methodologie entstand; eine Lehre, bei der Verst\u00e4ndnisfragen nach dem methodischen Weg gekl\u00e4rt wurden.&nbsp; Die Methodologie ist verbunden mit der Beobachtung (f\u00fcr empirisch begr\u00fcndete theoretische Aussagen bedeutet das bewusste und kontrollierte Beobachtung und nicht die Logik des Alltagsbewusstseins) und das Experiment (die Gewinnung neuer Erfahrungen, das Testen von Hypothesen sowie die M\u00f6glichkeit der Wiederholung zur zeitunabh\u00e4ngigen Pr\u00fcfung). Ein weiterer revolution\u00e4rer Schritt war die Metrisierung von Daten, die eine mathematische und statistische Weiterverarbeitung erlaubten. Metrisierung, Beobachtung und Experiment stehen f\u00fcr empirische Genauigkeit und logische Pr\u00fcfung von sowohl qualitativen als auch quantitativen Methoden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wurden die Vorstellungen immer logischer und die formale Logik \u00fcbernahm die Funktion, die vorher der Objektivit\u00e4t der Beobachtung zugeschrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>John Locke war der erste, der das empirische Forschungsprojekt Bacons konsequent ausformuliert, sein Empirismus wurde aufgrund seiner Annahme, dass die Sinne als einziger Garant von Wissen gelten, auch Sensualismus genannt. Sowohl die \u00e4u\u00dferen als auch die inneren Sinneswahrnehmungen erzeugen Ideen, die entweder einfach oder komplex sind. Aus einfachen Ideen erzeugt der Geist komplexe Ideen durch Vergleich, Trennung, Verbindung und Abstrahierung. Die Wahrheit komplexer Ideen entsteht durch Induktion, wo von einer Zahl einzelner F\u00e4lle darauf geschlossen wird, dass sich alle F\u00e4lle so verhalten. David Hume widersprach dem, und sagte, dass keine Induktion jemals eine Allgemeing\u00fcltigkeit beweisen k\u00f6nne (noch so viele Sonnenaufg\u00e4nge reichen nicht, um daraus abzuleiten, dass morgen wieder die Sonne aufgehen muss). Diese Annahme wurde von Kant weitergef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Immanuel Kant unternahm den Versuch, die verschiedenen Ans\u00e4tze zusammenzuf\u00fchren, so dass eine Erkenntnistheorie m\u00f6glich w\u00e4re, die empirische Erkenntnis mit rationalistischen Voraussetzungen in Einklang bringt. Bei den Empiristen ist die Erfahrung der Ausgang von Erkenntnis, die Rationalisten heben die geistige Leistung bei der Findung von Erkenntnis hervor. F\u00fcr Kant war beides wichtig: Erfahrung und Denken. Deshalb entwickelte er ein Verfahren, das sich sowohl auf die Leistungen des Verstandes als auch auf die der Methode st\u00fctzt. Er stellt sich die Frage, wie Urteile, die von der Erfahrung unabh\u00e4ngig sind, obwohl sie auf Erfahrung basieren, a priori m\u00f6glich seien. Nach Kant sind dem menschlichen Bewusstsein bestimmte Denkformen vorgegeben, durch die Erfahrung erst m\u00f6glich wird. Die geistigen Instrumente, mit denen Wirklichkeit \u00fcberhaupt erst erfasst werden kann, gehen der Erfahrung voraus. Erfahrung ist eine aktive Leistung des erkennenden Subjekts. Dem erkennenden Subjekt wird gezeigt, was es von sich aus nicht wissen kann. Subjekt und Objekt der Erkenntnis sind damit verschiedene, getrennte Bereiche der Welt. Kant entwickelte das Konzept der \u201etranszendentalen Apperzeption\u201c, ( = die Wahrnehmung, vor jeder empirischen Erkenntnis) das ein Verbindungsglied zwischen Konstruktion und Objektivit\u00e4t darstellt. Es kommt zu einer aktiven Positionsbestimmung, die sich auch im Verh\u00e4ltnis von Gegenstand und Theorie wiederspiegelt: Der Gegenstand richtig sich nach der Theorie und nicht umgekehrt. Theorie ist immer eine Rekonstruktion des Gegenstandes, nie eine Abbildung von diesem selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Kant gab an sich der Erkenntnisaktivit\u00e4t; also dem Verstand, der mit seinen Leistungen Erkenntnis erm\u00f6glichte, den Vorrang. Er erweiterte ihn jedoch durch die \u00dcberpr\u00fcfung am Gegenstand: die Konstruktionen des Verstandes m\u00fcssen und k\u00f6nnen an der Wirklichkeit \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hob er Erkenntnistheorie auf ein neues Niveau, da er unter anderem Erfahrung und Erkenntnis verband, den Unterschied zwischen Realit\u00e4t und Theorie verdeutlichte und die Erkenntnistheorie als logisches eingest\u00e4ndiges Thema begr\u00fcndete, das auf einem allgemeinen und abstrakten Niveau angelegt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Gegenspieler Kants war Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Er lehnte die statische Gegen\u00fcberstellung Kants von Subjekt und Objekt ab und bem\u00fchte sich um eine Theorie, in der er Wirklichkeit als Bewegung und Entwicklung sah. Die Bewegung ist es, die Erkenntnis in Gang setzt und in Gang h\u00e4lt. Kein Element des Erkenntnisprozesses kann f\u00fcr sich stehen und alleine begr\u00fcndet werden. Es verweist stets auf andere Elemente, die es voraussetzt und seinerseits bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er stellte die Idee in den Mittelpunkt seiner Theorie. Dadurch kommt es zu einem Fortschreiten auf dem Weg des Geistes hin zu seiner Selbstverwirklichung. Diese Weg ist bestimmt von reiner Logik; f\u00fcr Hegel das oberste Prinzip jeglicher Wirklichkeit und Erkenntnis. Logik wird als Zusammenhang gedacht, der verschieden und (deshalb) in Bewegung ist. Dialektik (die Kunst der Unterredung) wurde bei Hegel zur allgemeinen Bewegungslogik der Wirklichkeit. Entwicklung ist ein Zerfallsprozess, durch den eine Weiterentwicklung erst m\u00f6glich ist. Dies besagt auch das dreistufige Modell von Hegel: Position (oder These), Negation (oder Antithese), Negation der Negation (oder Synthese), die Entwicklung einer neuen Position, die die wichtigen und bleibenden Elemente der urspr\u00fcnglichen enth\u00e4lt und zugleich erweitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch ist es auch m\u00f6glich, dass Annahmen wahr und falsch zugleich sind, weil Theorien veraltert oder falsch sein k\u00f6nnen oder neue Technologien aufkommen, die einen andere Richtung er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch Hegel wurde Erkenntnis als Bewegung und Entwicklung vor und der Blick auf die gesellschaftlichen Bedeutung und die gesellschaftliche Funktion gelenkt. Dies hatte auch f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Erkenntnistheorie weitreichende Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Kant und Hegel endete die gro\u00dfe Zeit der b\u00fcrgerlichen Erkenntnistheorie.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">5. Der Beginn der Wissenschaftstheorie: Positivismus und Positivismus-Kritik<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Ende des 18. Jahrhunderts bahnte sich ein tief greifender gesellschaftlicher Wandel an, der sich in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts radikalisierte: die industrielle Revolution. Dadurch kam es zur Emanzipation von einzelnen gesellschaftlichen Teilbereichen und es bildeten sich eigene, unabh\u00e4ngige Subsysteme bzw. \u2013welten, die auf bestimmte Themen konzentriert waren und sich deren Logik anpassten. Die Abwendung vom Traditionsprinzip, bei der den Vorstellungen des Adels an der Spitze entsprochen werden musste, hin zum Leistungsprinzip, wo die einzelnen Bereiche getrennt voneinander agieren konnten und sich nicht mehr an einer oberen Ordnung orientieren mussten, erzeugte Autonomie und durch das, in die Subsysteme, investierte Kapital kam es zu einer enormen Leistungssteigerung. Das bedeutete auch bei der Wissensproduktion und \u2013verwaltung Professionalisierung und bahnte den Universit\u00e4ten und den geschulten Wissenschaftlern ihren Weg. Es kam zu einer systematischen Erforschung von Wirklichkeit mit professionellen Mitteln und Methoden; der Professor als Forscher war nicht mehr der Tradition verpflichtet sondern dem Ideal objektiver Erkenntnis. Das weitgehend spekulative Bild der Welt wurde durch ein empirisch begr\u00fcndetes und theoretisch fundiertes Bild ersetzt: Die Wissenschaftstheorie l\u00f6ste die Erkenntnistheorie ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch kam es zur ersten und \u00fcber weite Strecken dominanten Form der theoretischen Begr\u00fcndung von Wissenschaft, dem Positivismus, der als das erste Modell von Wissenschaftstheorie gilt. Begr\u00fcnder dieses Modells war Auguste Comte. Comtes Positivismus folgte folgenden Richtlinien:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Gegenstand der Wissenschaft ist alles, was empirisch real und \u201epositiv\u201c erfahrbar ist<\/li><li>Wissenschaft ist definiert durch die Verwendung (quantitativer) empirischer Methoden<\/li><li>Das Ziel ist objektive Erkenntnis, welche in Gesetzen formuliert ist<\/li><li>Als Mittel werden nur subjektunabh\u00e4ngige Verfahren und Techniken verwendet<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Damit wendete sich Comte gegen die gesamte Tradition der b\u00fcrgerlichen Erkenntnisphilosophie. Dieser Positivismus machte als \u201eLeitphilosophie\u201c der neuen Wissenschaft eine bemerkenswerte Karriere. Da konnte Kritik nicht ausbleiben. Hier wird sie in externe und interne Kritik unterteilt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die externe Kritik kam vor allem aus drei Richtungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>von den Wissenschaften, die sich in dem Konzept des Positivismus nicht angemessen ber\u00fccksichtigt sahen<\/li><li>von Seiten einer kritischen Gesellschaftstheorie, wie sie Marx begr\u00fcndete<\/li><li>von den Wissenschaftstheoretikern, die den Positivismus weiterentwickeln wollten<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>zu 1. Wilhelm Dilthey, einer der gro\u00dfen Kritiker des Positivismus, sagte, dass dieser seine Bedeutung sehr wohl habe, aber nur in den Naturwissenschaften. Natur sei in diesem Ablauf erkl\u00e4r- und verstehbar. Jedoch \u2013 bezogen auf andere Wissenschaften \u2013 meinte Dilthey, dass man etwas sehr wohl erkl\u00e4ren k\u00f6nne, auch wenn man etwas nicht verstehe. Deshalb stellte er die spezifisch \u201egeisteswissenschaftliche\u201c Form der Erkenntnis (das Verstehen) derjenigen der Naturwissenschaft (dem Erkl\u00e4ren) gegen\u00fcber. Er sah den entscheidenden Unterschied im Erkenntnisinteresse. Die Naturwissenschaften erkl\u00e4ren die gesetzm\u00e4\u00dfige Ordnung der Welt; die Geisteswissenschaften sind ein Teil der (geistigen) Wirklichkeit, die sie behandeln und die reflexive Form eines objektiven geistigen Zusammenhangs, da sie das bewusst und begr\u00fcndet tun, was sonst eher blind geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dilthey schlug in diesem Zusammenhang vor, die Hermeneutik als Methode f\u00fcr die Geisteswissenschaften zu verwenden. Die Hermeneutik, die systematische Interpretation von Ereignissen und Zusammenh\u00e4ngen, wird \u00fcberall dort gebraucht, wo es um systematische, strukturelle oder latente Zusammenh\u00e4nge geht, die sich nicht unmittelbar in empirischen Gegebenheiten zeigen. Mit der Hermeneutik k\u00f6nnen logische Verbindungen zwischen disparaten Ereignissen, zwischen Ereignissen und abstrakten Mustern und zwischen abstrakten Mustern hergestellt werden. Jedoch gibt es bis heute keine Einigkeit \u00fcber die Methoden und die Charakterisierung des hermeneutischen Verfahrens, bei denen es zu einer wechselseitigen Abh\u00e4ngigkeit von Vorannahmen und Ergebnissen kommt, auch der \u201ehermeneutische Zirkel\u201c genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist Diltheys Gegen\u00fcberstellung von Natur- und Geisteswissenschaften kein Thema mehr, aber die grundlegenden Differenzen sind es nach wie vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 2: Karl Marx kritisiert vor allem den \u201eideologischen\u201c Charakter des Positivismus. Er meinte, dass dieser dort versagt, wo Dinge nicht z\u00e4hl- und messbar sind, damit erfasse er nur die H\u00e4lfte der Welt. Denn diese andere H\u00e4lfte sei zu spekulativ, da die Vorstellung, die die Menschen von der Welt haben t\u00e4uschungsanf\u00e4llig sind; ja, dass sie handeln, ohne zu denken. Denken, so Marx, sei gebunden an die sozialen Bereiche des Menschen, und das menschliche Denken werde von den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen gesteuert. Er fragte nach der Logik der Steuerung des Denkens: \u201eDas Sein bestimmt das Bewusstsein\u201c, und nicht das Bewusstsein das Sein, also das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 3: Die Kritik des dritten Lagers, die \u201eKritische Theorie\u201c, bezog sich auf den Anspruch des Positivismus das allein g\u00fcltige Modell der Erkenntnis auch in der Sozialwissenschaft zu sein. Vor allem die vielf\u00e4ltigen Einfl\u00fcsse, denen die Wissenschaft in Themenwahl, Theoriewahl, Anwendung, etc. unterliegt, werde vom Positivismus \u2013 oder wie Max Horkheimer sie bezeichnete \u2013 von der \u201eTraditionellen Theorie\u201c \u00fcbersehen, da sie an die Kontextunabh\u00e4ngigkeit glaube. Jedoch ist zu sagen, dass die \u201eKritische Theorie\u201c keine alternative Methodologie entwickelte, sondern die des Positivismus kritisierte.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">6. Analytische Philosophie, Logischer Positivismus und Kritischer Rationalismus<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Bei den internen Kritikern handelte es sich um Wissenschaftstheoretiker, die versucht haben, den Positivismus weiterzuentwickeln. Hier waren und sind vor allem folgende Str\u00f6mungen zu erkennen:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>die analytische Philosophie: Einsatz von Sprache<\/li><li>den Logischen Positivismus: Formale Logik<\/li><li>Kritischer Rationalismus: Falsifizierung, Kritische Pr\u00fcfung, Vorl\u00e4ufigkeit<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zu 1: Ludwig Wittgenstein hat den Versuch unternommen, Denken und Sprache zu verbinden. Im Rahmen der Sprache und in der in ihr ausgedr\u00fcckten Gedanken sei alles Sinnvolle enthalten, au\u00dferhalb davon gebe es keinen Sinn, meinte er. S\u00e4tze, an denen die Aussagen \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen, sind f\u00fcr Wittgenstein ein \u201eBild der Wirklichkeit\u201c. In seinen fr\u00fcheren Jahren versuchte er eine Einheitssprache zu entwickeln, die alles enthalten sollte, was f\u00fcr die Begr\u00fcndung der Wahrheit n\u00f6tig w\u00e4re. In seiner sp\u00e4teren Entwicklung gab er diese Idee auf, und Sprache wurde bei ihm vor allem zu Sprachpraxis: F\u00fcr jede verschiedene Art von Praxis gibt es eine eigene Sprache \u2013 so viele verschiedene wie es Lebensformen gibt. Der sp\u00e4te Wittgenstein verstand die Sprache als einen vitalen Prozess, als lebendiges Geschehen, das sich weiterentwickelte. Dadurch k\u00f6nne es keinen einheitlichen Sprachgebrauch geben, und die Hoffnung der fr\u00fchen Analytischen Philosophie durch eine Kunstsprache Wahrheit logisch begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen, also eine sprachliche Logik zu entwickeln, brach in sich zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 2: Besondere Bedeutung bei der Weiterentwicklung des Positivismus in eine andere Richtung kam dem \u201eWiener Kreis\u201c zu, einer Gruppe von Wissenschaftlern rund um Moritz Schlick, die den Neo-Positivismus oder auch Logischen Positivismus entwickelten. Hierbei sollte nicht nur die Wissenschaft auf eine einheitliche Erkenntnisbasis gestellt, sondern auch die klassische Philosophie als Logik von Erkenntnis erneuert werden. Ziel war die Begr\u00fcndung einer Weltanschauung, die keine mehr ist, da sie objektiv begr\u00fcndet ist, weil nicht nur die Sprache sondern auch das Denken bestimmbar sind. Vor allem Rudolf Carnap versuchte mit seinem Ausschluss aller \u201eunsinnigen\u201c Aussagen mit Hilfe der Objekt- und der Metasprache ein ehrgeiziges Programm zu entwickeln. Hierbei sollte die Objektsprache den Kontakt zur Realit\u00e4t erm\u00f6glichen, die Metasprache als Form dienen, in der die Logik operiert und zugleich beschrieben werden k\u00f6nne. Jedoch kam die Entwicklung des Logischen Positivismus ins Stocken und brach schlie\u00dflich ab, ohne dass Carnap sein Werk vollendete.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 3: Der Kritische Rationalismus ist die moderne Form des Empirismus und wurde von Karl Raimund Popper entwickelt. Popper ging von der empiristischen Grundannahme aus, dass die Welt gesetzm\u00e4\u00dfig geordnet und in Einheiten unterteilt ist, die mathematisch formuliert und prozessiert werden k\u00f6nnen. Jedoch verzichtete er auf den Wahrheitsanspruch, da Wahrheit prinzipiell nicht erreichbar ist, aber sie sei falsifizierbar. Damit wurde auch \u201eTheorie\u201c von Popper neu definiert. Seiner Ansicht nach hat Theorie nur mit vorl\u00e4ufig akzeptierten Hypothesen \u2013 Annahmen \u2013 \u00fcber die Logik der Wirklichkeit zu tun. Popper stellt ein neues Theoriekriterium auf, das besagt, Theorien solange beizubehalten, solange sie nicht wiederlegt w\u00fcrden. Sie m\u00fcsste aber falsifizierbare Hypothesen aufweisen, sonst sei sie keine Theorie. Durch sukzessive negative Selektion, d.h. durch sorgf\u00e4ltiges Aussortieren, k\u00e4me es zum Fortschritt der Erkenntnis und zur asymptotische Ann\u00e4herung an Wahrheit. Nach Popper war Wissenschaft gleichbedeutend mit Fortschritt; was sie nicht erreichen k\u00f6nne, sei nicht erreichbar. Und sie k\u00f6nne ihre Ziele nur durch st\u00e4ndiges, hartn\u00e4ckiges und kritisches \u00dcberpr\u00fcfen von Interpretationen und Befunden erreichen. Poppers Kritischer Rationalismus gilt nach wie vor als modernste Form des Methodischen Empirismus.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">7. Kritik am Kritischen Rationalismus<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Gut zwanzig Jahre war Popper die Leitfigur der erkenntnistheoretischen Welt, dann h\u00e4uften sich auch hier die Kritiken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Kuhn besch\u00e4ftigte sich vor allem mit dem herk\u00f6mmlichen Verst\u00e4ndnis von Wissenschaft und kritisierte, dass die Theorie des stetigen Forstschrittes der Wissenschaften ein Mythos sei. F\u00fcr ihn herrschen Paradigmen (in ihrer eigentlichen Bedeutung als Beispiele verstanden) in dem Prozess der&nbsp; Wissenschaftsgeschichte, die immer wieder abgel\u00f6st werden. Dass sich eine Theorie als anerkanntes wissenschaftliches Modell durchsetzt, hat nach Kuhn viel mit Marketing und Marktposition zu tun. Kuhn stellte eine Abfolge von typischen Phasen auf:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Vorparadigmatische Phase: Eine Reihe von Ans\u00e4tzen, die nebeneinander stehen und konkurrieren<\/li><li>Paradigmatische Phase: Ein Ansatz setzt sich durch und gewinnt allgemeine Anerkennung als herrschendes Paradigma<\/li><li>Kritische Phase: nach einiger Zeit ist das dominierende Paradigma ersch\u00f6pft<\/li><li>Revolution\u00e4re Phase: es beginnt ein Aufstand gegen das herrschende Paradigma<\/li><li>Neue paradigmatische Phase: eines der konkurrierenden Paradigmen \u00fcbernimmt die Machtposition und wird zum neuen Leitmodell der Forschung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Problem ist, dass das herrschende Paradigma nicht unbedingt das beste sein muss, sondern erh\u00e4lt und beh\u00e4lt seine Machstellung durch die geschichtliche Denunzierung der anderen Theorien. Nur wenn das herrschende Paradigma vollkommen ausgereizt ist oder wenn die Anomalien zu hoch werden, kommt es zum Eintritt in die revolution\u00e4re Phase und ein anderes Paradigma \u00fcbernimmt die Vorreiterrolle, jedoch ist es oft der Fall, dass die neuen Paradigmen keine wirklich neuen L\u00f6sungen bringen. Deshalb meint Kuhn, dass die Aufgabe des alten Paradigmas und die Akzeptierung des neuen Paradigmas nicht eine Entwicklung aufgrund von sachlichen Kriterien sei, sondern eine Frage der Durchsetzungskraft. Diese Annahme, in der Kuhn eine wichtige Sachlage angesprochen hatt, sorgte f\u00fcr Aufregung in der wissenschaftlichen Welt, passiert aber \u2013 nach heutigem Stand \u2013 nicht permanent und ausschlie\u00dflich.<\/p>\n\n\n\n<p>Karin Knorr-Cetina kritisierte hingegen die Annahme des Positivismus, dass im Forschungsalltag aus Theorien Hypothesen abgleitet werden, die dann rigoros \u00fcberpr\u00fcft werden. Es sei eher so, so Knorr-Cetina, dass Erkenntnis erzeugt w\u00fcrde, welches durch nicht-sachliche Themen wie verf\u00fcgbare Technik, verf\u00fcgbares Material, soziale Abh\u00e4ngigkeit, Karriereinteressen, usw. mitbestimmt w\u00fcrde. Dadurch entstehe ein pragmatisches Herumprobieren, welches sie als Labor-Opportunismus bezeichnet: Man richte sich nach den Gegebenheiten und n\u00fctze zuf\u00e4llige Chancen. Diese Art der Ergebnisfindung werde aber nicht in den Ergebnispapieren festgehalten, sondern der Vorgang wird so dargestellt, als w\u00e4ren neutrale Methoden verwendet worden, die objektiv zu bestimmen Ergebnissen gef\u00fchrt h\u00e4tten. Was dargestellt w\u00fcrde, sei ein k\u00fcnstliches Produkt, das als Ergebnis bezeichnet werde, jedoch eine Trennung von Methode und Resultat suggeriere, die in ihrer Unabh\u00e4ngigkeit so im Praxisalltag nicht existiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Knorr-Cetina erg\u00e4nzte die Kuhn-Kritik damit, dass die vom Kritischen Rationalismus geforderte methodische und theoretische Strenge im Alltag nicht existiert und ein Mythos sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Feyerabend war urspr\u00fcnglich ein Sch\u00fcler von Popper, wurde dann aber sp\u00e4ter sein sch\u00e4rfster Kritiker. Feyerabend kritisierte vor allem die positivistische Grundphilosophie des hochdisziplinierten und kontrollierten Gebrauchs von Theorie und Methoden, die der M\u00f6glichkeit der Kreativit\u00e4t in der Wissenschaftssozialisation, durch die strengen Regeln und Vorgaben, keine Raum l\u00e4sst. F\u00fcr ihn muss kreative Wissenschaft Regeln brechen d\u00fcrfen, was Poppers Theorie nicht zul\u00e4sst, da sie den Eindruck vermittle es g\u00e4be eine feststehende Welt und eine ebenso feststehende Wissenschaft, in der die Forschung eine kausale Folge von \u00dcberlegung und Ausf\u00fchrung, von Problem und L\u00f6sung sei.<\/p>\n\n\n\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderte sich das Bild der \u201eWissenschaft\u201c. War sie fr\u00fcher auf Grundlagenforschung reduziert, die im w\u00f6rtlichen Sinn des Wortes noch nach einer Grundlage suchte, etablierte sie sich sp\u00e4ter zu einem gesellschaftlichen Subsystem, das intern geordnet schien. Auch die \u201eAuftraggeber\u201c der Wissenschaft ver\u00e4nderten sich mit der Zeit. Fr\u00fcher war Forschung noch ein Abenteuer und wer studierte, tat dies mit Neugier und\/oder um im akademischen Betrieb zu bleiben. Sp\u00e4ter kam es zu einer engeren Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die das Wissen als Machtmittel begriff und bis heute benutzt. Dadurch entstand auch ein neuer Typus von akademisch gebildeten Fachleuten, die bestimmte Themenbereiche theoretisch und technisch beherrschten, um auch in au\u00dferuniversit\u00e4ren Einrichtungen Wissenschaft und Forschung zu betreiben. Viele Ergebnisse werden heute geheim gehalten und dienen nicht mehr dem \u201e allgemeinen Fortschritt\u201c schlechthin. Nicht nur die M\u00f6glichkeiten der Manipulation von Wirklichkeit sondern auch die praktische Anwendung werden immer problematischer. Deshalb wird heute Erkenntnis nicht nur einfach als Fortschritt gesehen, sondern von vielen Richtungen auch als Problem erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst wurden folgende Kritikpunkte dem Positivismus und seiner Weiterentwicklung, dem Kritischen Rationalismus, vorgeworfen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der Positivismus ist eine ideologisch einseitige und verzerrte Form von Wissenschaftstheorie<\/li><li>Der Positivismus vertritt eine naive und primitive Vorstellung von der Entwicklung und Funktionsweise von Wissenschaft<\/li><li>Die reale Wissenschaftspraxis hat mit dem idealisierten Schema der Ableitung von Hypothesen aus Theorien und deren rigorosen empirischen \u00dcberpr\u00fcfungen wenig zu tun<\/li><li>Der Verhaltenskodex des Positivismus ist viel zu simpel und disziplinierend<\/li><li>Der Universalit\u00e4tsanspruch des empirischen Paradigmas st\u00f6\u00dft auch intern an Grenzen<\/li><li>Die Wissenschaft erzeugt in Abh\u00e4ngigkeit von Geld und Politik Produkte, die f\u00fcr bestimmte Interessen funktional, f\u00fcr andere dysfunktional und f\u00fcr das gesellschaftliche Ganze unter Umst\u00e4nden sogar gef\u00e4hrlich sind<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">8. Alternativen zum Positivismus: Neo-Konstruktivismus<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Doch was sind nun die Alternativangebote? Die wichtigsten \u2013 Pragmatismus, Interpretatives Paradigma, Radikaler Konstruktivismus, Evolution\u00e4re Erkenntnistheorie, Genetische Erkenntnistheorie, Psychoanalyse, und die Systemtheorie sollen hier nun n\u00e4her ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Pragmatismus:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Charles S. Peirce ist der zentrale Autor des Pragmatismus: Es sollen Verhaltensregeln entwickelt werden, mit deren Hilfe man unter gegebenen Umst\u00e4nden bestimmte Ziele erreichen kann. Das Denken in praktischen Wirkungszusammenh\u00e4ngen sei vorrangig. Bei Peirce ist Forschung ein Mittel, um Unsicherheit zu \u00fcberwinden, indem sie praktische Orientierung anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Interpretatives Paradigma:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Sch\u00fctz, als einer der F\u00fchrer des interpretativen Paradigmas, besch\u00e4ftigte sich mit der Frage, wie sich Menschen in der Welt orientieren. Sch\u00fctz vertritt die Ansicht, dass Wirklichkeit nicht abgebildet, sondern aktiv erzeugt wird. Das Alltagsbewusstsein l\u00e4sst sich demnach von den mit den Jahren erworbenen Vorstellungen leiten, die wiederum eng mit den vermittelten gesellschaftlichen Vorgaben korrelieren. Durch die so entstehenden Deutungsmuster und Typisierungen k\u00f6nnen Ereignisse und neue Situationen geordnet und interpretiert werden. Nach Sch\u00fctz ist also Erkenntnis das Resultat eines aktiven Erzeugungsvorganges, der seine Wurzeln im praktischen Lebensvollzug hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Radikaler Konstruktivismus:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kerngedanke des Konstruktivismus, den Kant an sich schon unmissverst\u00e4ndlich entwickelt hat, ist die symbolische Konstruktion der Wirklichkeit und nicht ihre einfache Erfassung und Abbildung. Der Neo-Konstruktivismus, und eine Form davon (der Radikale Konstruktivismus) nimmt Abschied von der Objektivit\u00e4t. Humberto Maturana, der bekanntest Protagonist dieser Bewegung, f\u00fchrt eine radikale Trennung von Theorie und Welt durch. Es g\u00e4be keine direkte Verbindung zwischen der Welt und dem Bild der Welt, der Erkenntnis. Dies hat er in seiner Theorie \u201eautopoietische Systeme\u201c bildlich formuliert. Er erkl\u00e4rt darin, dass Systeme sich selbst steuern und ihre eigenen Bestandteile erzeugen. War der Kritische Rationalismus die moderne Variante der Wissenschaftstheorie, so ist der Neo-Konstruktivismus die postmoderne Variante der Erkenntnistheorie.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Evolution\u00e4re Erkenntnistheorie:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Konrad Lorenz, einer der Stammv\u00e4ter der Evolution\u00e4ren Erkenntnistheorie, \u00fcbertrug Charles Darwins Grundsatz der Optimierung von Anpassung an die Umwelt, bei dem alle biologischen Entwicklungen nach dem Prinzip der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit erfolgen, auf das menschliche Erkenntnisverm\u00f6gen. Das Gehirn besitze durch seine langandauernde Anpassung einen Vorteil, der in der h\u00f6heren Komplexit\u00e4t der Informationsverarbeitung bestehe. Dadurch lassen sich die Grenzen der sinnlichen Wahrnehmung deutlich \u00fcberschreiten. Jedoch verwehrt sich Lorenz dagegen, dass das, was Menschen als Erkenntnis ansehen, \u201edie Wahrheit\u201c \u00fcber die Wirklichkeit darstellt. Die Ressourcen in der Natur sind immer knapp; deshalb ist der Mensch gut f\u00fcr die Dimensionen des menschlichen Handelns ausger\u00fcstet, jedoch fehlen ihm Wahrnehmungsf\u00e4higkeiten auf anderen Dimensionen, wie z.B. das Universum. Auch funktioniert das Denken nicht voraussetzungslos, da es an die Erfordernisse des menschlichen Lebens gebunden ist. Orientierungen auf Kategorien wie Raum, Zeit und Kausalit\u00e4t sind f\u00fcr den Menschen sinnvoll, jedoch nicht unbedingt objektiv \u201erichtig\u201c. Jede Optimierung von Erkenntnis ist, nach Lorenz, kostenintensiv und geht zu Lasten anderer, lebenswichtiger Funktionen. Daher sind N\u00e4herungsl\u00f6sungen ausreichend.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Genetische Erkenntnistheorie:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jean Piaget, als ihr Begr\u00fcnder, versuchte die \u201etranszendentale Apperzeption\u201c von Kant auf eine neue Basis zu stellen. Piaget geht dabei in seiner Theorie von einer gegebenen Realit\u00e4t aus, mit Hilfe dieser der Mensch seine Schemata zur Entwicklung des Erkenntnisverm\u00f6gens (von seiner Geburt an) entwickelt. Piagets Versuch, die Erkenntnistheorie von der Philosophie zu trennen und auf eine experimentelle Basis zu stellen, hat ihm auch Kritik gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Psychoanalyse:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sigmund Freud geht in seiner psychoanalytischen Theorie davon aus, dass die Tendenz des Menschen dahin geht, an Stelle von wirklichkeitsangemessenem Denken mit verzerrenden Modalit\u00e4ten zu arbeiten, vor allem, wenn sie psychisch unter Druck stehen und die Entwicklung ihres Erlebens biografisch erheblich beeintr\u00e4chtigt wurde. Die Wahrnehmung der Wirklichkeit sowie ihre Verarbeitung wird dabei getr\u00fcbt und gest\u00f6rt, weil sie von inneren Zw\u00e4ngen bestimmt wird. Dies bedeutet, umgelegt auf die Wissenschaft: Solange diese von Menschen betrieben wird, besteht immer das Risiko, dass sich auch ihre Vorlieben, \u00c4ngste und Phantasien in die Theorien einschleusen. Objektive Erkenntnis wird nur durch die Neutralisierung von subjektiven Wahrnehmungsverzerrungen erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Systemtheorie:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Niklas Luhmann, als der bedeutendste Vertreter der Systemtheorie, hat den Versuch unternommen, systemtheoretisches Denken auf Erkenntnisprobleme anzuwenden. F\u00fcr Luhmann m\u00fcssen sich Systeme in ihrer Umwelt orientieren k\u00f6nnen. Dies erfolgt durch Beobachtung der Umwelt und den daraus gezogenen Schl\u00fcssen. Die so entwickelten Vorstellungen von der Realit\u00e4t dienen intern als Bezugspunkte f\u00fcr weitere Aktivit\u00e4ten; es sind systeminterne Konzepte, jedoch keine Abbilder der Umwelt. Das System kann sein Geh\u00e4use nicht verlassen; die Beobachtung bleibt immer Teil des Systems.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Sichtweise zufolge ist Wissenschaft nicht nur Beobachter der Umwelt, sondern ein Beobachter von Beobachtern (Beobachten 2. Ordnung) und Wissenschaftstheorie ein Beobachten 3. Ordnung, weil sie die Regeln, nach denen Wissenschaft funktioniert, beobachtet.<\/p>\n\n\n\n<h3><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">9. Denotative und konnotative Theorien<\/mark><\/h3>\n\n\n\n<p>Zwei Gr\u00fcnde sollen hier diskutiert werden, warum es so schwierig ist, eine einheitliche Basis f\u00fcr die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zu finden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Beide besch\u00e4ftigen sich mit verschiedenen Problemlagen<\/li><li>Beide verk\u00f6rpern einen Theorietyp, der durch seine jeweiligen Probleme bzw. Eigenschaften keine Vereinheitlichung erm\u00f6glichen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Greift man noch einmal Diltheys Modell einer \u201egeisteswissenschaftlichen Methodologie\u201c auf, so ist das Konzept der Hermeneutik als systemische Methode der Interpretation, was der Sinn von Gegebenheiten der humanen, kulturellen Welt ist, die die Menschen selbst geschaffen haben, nach wie vor aktuell, auch wenn sein erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Modell als gescheitert anzusehen ist. Doch die Unterschiede, die Dilthey aufgriff , sind existent. Dies erkennt man schon an der Logik des Gegenstandes, mit dem die Wissenschaft zu tun hat. Die Unterschiede im Gegenstand m\u00fcssen abstrakt gefasst werden: auf der Ebene der Logik von Realit\u00e4t. Hier kann man zwei Typen unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>nomologische Realit\u00e4t: jene, die innerhalb bestimmter Grenzen konstant und unver\u00e4nderlich gegeben ist und \u00fcberall auf diese Weise funktioniert = reine Nomologie existiert nur in Lehrb\u00fcchern; bereits ein Zusammenspiel verschiedener nomologischer Prozesse bringt eine autopoietische Realit\u00e4t hervor<\/li><li>autopoietische Realit\u00e4t: jene, die ver\u00e4nderlich und immer verschieden ist, sich selbst entwickelt und steuert und mit ihrer Umwelt interagiert und einen offenen Entwicklungshorizont besitzt = humane Realit\u00e4t<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Welche Art von Theorie ben\u00f6tigt wird, um die jeweilige Form der Realit\u00e4t zu erfassen, zeigen die folgenden unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>denotative Theorien<\/li><li>konnotative Theorien<\/li><li>Theorie und Institution<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zu 1: Theorien, die nomologische Realit\u00e4t behandeln sind denotativ, da sie eindeutig, abgrenzend, zuordnend und festlegend sind. Die Verwendung von denotativen Theorien f\u00fchrt immer zu dem gleichen Ergebnis, wer immer sie wo immer richtig verwendet. Sie haben einen gro\u00dfen Vorteil: Sie sind einheitssprachlich verfa\u00dfbar, daher homogen, eindeutig und zuverl\u00e4ssig konstant. Damit k\u00f6nnen sie die Anspr\u00fcche an die Objektivit\u00e4t von Erkenntnis erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man sich das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis, legen denotative Theorien eindeutig fest, welche praktischen Konsequenzen sich aus ihnen ergeben k\u00f6nnen. Beim Verh\u00e4ltnis Theorie und Realit\u00e4t, sind diese beiden Faktoren bei denotativen Theorien voneinander getrennt und k\u00f6nnen sich gegenseitig nicht beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 2: Theorien, die autopoietische Realit\u00e4t bearbeiten, sind konnotativ. Die autopoietische Realit\u00e4t ist eigendynamisch, bringt st\u00e4ndig neue Variationen hervor, ist widerspr\u00fcchlich, nicht auf einen Nenner zu bringen und folgt ihrer eigenen Logik. Deshalb gibt es viele verschiedene Formen der Hermeneutik, der qualitativen Sozialforschung, usw. Theoriearbeit wird damit unabschlie\u00dfbar; sie muss deshalb ihre M\u00f6glichkeiten systematisch \u00fcbersch\u00e4tzen. Konnotative Theorien m\u00fcssen ihre Schw\u00e4chen kompensieren, aber sie d\u00fcrfen sie nicht verleugnen, weil sie sonst unproduktiv werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiters sind autopoietische Realit\u00e4ten heterogen. Das bedeutet f\u00fcr die Theorien, dass sie kein in sich geschlossenes, eindeutiges Modell haben. Deshalb gibt es auch verschiedene Formen von Systemtheorie und nicht nur die eine eindeutige, abgegrenzte Theorie. Konnotative Theorien k\u00f6nnen deshalb auch nur begrenzt denotative Strategien verwenden. Das bedeutet, dass sie sich der Eigenlogik ihres jeweiligen Gegenstandes anpassen muss, ohne die reflexive Distanz zu verlieren. Dabei \u00e4hnelt die Sprache, die verwendet wird, der Umgangssprache, da reine Zeichenlogik und eine eingeengte Grammatik (wie sie denotative Theorien verwenden) ungeeignet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Konnotative Theorien haben auch keine Grundlage, da es keine Kriterien gibt, was \u201egut\u201c oder \u201eschlecht\u201c ist. Damit muss sich jede Theorie selbst begr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man sich hier das Verh\u00e4ltnis zwischen Theorie und Praxis, so sind praktische Konsequenzen aus konnotativen Theorien immer politisch, und k\u00f6nnen sehr unterschiedlich sein, da es Alternativen gibt, und deshalb Entscheidungen \u00fcber die Richtung getroffen werden m\u00fcssen. Konnotative Theorien ver\u00e4ndern die Wirklichkeit, weil sie das Reflexionspotenzial der Akteure ver\u00e4ndern. Ihre Wirkungen sind jedoch nicht kontrollierbar. Ebenso ist es bei dem Verh\u00e4ltnis von Theorie und Realit\u00e4t: nicht nur das sie die Wirklichkeit ver\u00e4ndern, sie werden auch von ihr beeinflusst und gesteuert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 3: Institutionelle Faktoren spielen gerade f\u00fcr konnotative Theorien eine entscheidende Rolle: Viel h\u00e4ngt hier \u2013 wie Kuhn und Feyerabend zutreffend beschrieben haben \u2013 von den Machtverh\u00e4ltnissen in den entsprechenden Institutionen ab, wie z.B. welcher Vertreter von welchen Paradigmen die Verteilung von Ressourcen, Stellen und Anerkennung bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich die oben genannten Merkmale und die damit verbundenen Folgeprobleme umso st\u00e4rker bemerkbar machen, je ausgepr\u00e4gter der Charakter der Realit\u00e4t ist, auf die sich eine Theorie bezieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie sind konnotative Theorien und haben damit die oben angesprochenen Probleme, vor allem bei der Lieferung von Begr\u00fcndungen f\u00fcr eine bestimmte autopoietische Realit\u00e4t. Die Entwicklung der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie entspricht insgesamt dem typischen Schicksal konnotativer Theorien.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">10. Wozu also Wissenschaftstheorien?<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie nicht alle Fragen eindeutig und endg\u00fcltig kl\u00e4ren kann, bedeutet dies keineswegs, dass man von der Auseinandersetzung mit diesen Theorien nicht profitieren kann. Ihre Leistungen erm\u00f6glichen den Blick auf ein wesentlich besseres Problemverh\u00e4ltnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anwendung von Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie verlangt jedoch zwei Handhabungen, die sich erg\u00e4nzen und wechselseitig bestimmen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Klarheit \u00fcber den Begr\u00fcndungsbedarf, welcher mit den zu verwendenden Theorien verbunden ist, um Realit\u00e4t zu erfassen<\/li><li>Umgang mit den Besonderheiten der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, mit ihren unz\u00e4hligen Angeboten, Versuchen und Wissen \u00fcber die Gr\u00fcnde<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Je weiter die Fragestellung \u00fcber definierte Zwecke und Mittel hinausgeht, und je komplexer und heterogener der Sachverhalt ist, desto gr\u00f6\u00dfer ist der Begr\u00fcndungsbedarf, der wiederum von der jeweils spezifischen Wissenschaftskultur abh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Problematiken der Theorien nicht verleugnet werden, besteht ein gro\u00dfer Bedarf an Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Gleichzeitig nimmt jedoch die Verantwortung der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zu, da sich ihre Aufgaben ausgeweitet haben, und durch die Zunahme von M\u00f6glichkeiten mehr und mehr Probleme sichtbar werden. Mit folgenden Herausforderungen wird sich die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie verst\u00e4rkt auseinandersetzen m\u00fcssen, die durch die Entwicklung der Gesellschaft zu einer Wissensgesellschaft immer mehr in den Vordergrund dr\u00e4ngen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><em>Die Verwissenschaftlichung der Produktion:<\/em> Technik wurde auf eine wissenschaftliche Basis gestellt; damit wurde auch Wissenschaft prinzipiell praxisorientierter.<\/li><li><em>Die Technisierung des Alltags:<\/em> Die Lebenswelt der Menschen wurde dadurch immer st\u00e4rker technisiert, so dass der Wissensbedarf und das Niveau wissenschaftlicher Informiertheit enorm gestiegen ist.<\/li><li><em>Die Expansion und Arbeitsverteilung:<\/em> Der Bedarf an Expertenwissen nahm in allen Bereichen zu und Ressourcen werden verst\u00e4rkt in die Produktion von Wissen investiert.<\/li><li><em>Die \u00d6konomisierung:<\/em> Heute ist der Anteil an Forschern um ein Vielfaches h\u00f6her, Forschung wird immer aufwendiger und verlangt den Einsatz erheblicher Mittel. Das bedeutet aber auch, dass die Mittel dorthin flie\u00dfen, wo Entscheidungstr\u00e4ger sie richtig untergebracht sehen. Politische Kontrolle nimmt \u00f6konomische Form an.<\/li><li><em>Die Organisationsdynamik:<\/em> Die Wissenschaft hat sich auch organisatorisch v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Heute sind Universit\u00e4ten technisch hochger\u00fcstete, organisatorisch vielf\u00e4ltige und aufw\u00e4ndige Gro\u00dfbetriebe, wo \u2013 wie \u00fcberall \u2013 die Zeit knapp ist und Konkurrenz- und Leistungsdruck immer mehr zugenommen haben und zunehmen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dies alles hat weitreichende Folgen. Das staatliche Forschungsmonopol hat sich mehr oder weniger aufgel\u00f6st und wurde durch einen Wissenschaftsmarkt ersetzt, der von jenen \u201ekontrolliert\u201c wird, die die n\u00f6tigen Mittel bereitstellen. Ein Gro\u00dfteil der Forschung findet dadurch in privaten Einrichtungen statt, dessen Ergebnisse gr\u00f6\u00dftenteils nicht mehr der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit bereitstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird Wissenschaft auch dazu gebracht, sich mit bestimmten Themen auseinander zu setzen, die jedoch von andere Subsystemen, wie z.B. Wirtschaft, Politik, Milit\u00e4r, vorgegeben, finanziert und genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiters stellt sich die Frage nach Verantwortung bez\u00fcglich der Zunahme von Qualit\u00e4t der wissenschaftlichen Erkenntnis und de Partikularit\u00e4t der Verwertung von Wissenschaft. Die Steuerung der Produktion von Wissen wird zu einer Schl\u00fcsselfunktion der gesellschaftlichen Entwicklung. Auch die Fragen nach der Wissenschaftsethik werden immer dr\u00e4ngender. Wissenschaftspolitik muss daher professionalisiert und auf eine breitere Basis gestellt werden, auch um ein besseres Verst\u00e4ndnis zu bekommen, wie Erkenntnis und Wissenschaft funktionieren und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie kann dazu beitragen, indem sie die Entwicklung verst\u00e4ndlich macht und m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Entwicklungen aufzeigt, analysiert und bewertet. Dazu ist es jedoch auch notwendig, die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie zu \u201ezwingen\u201c ihre Befunde so anzubieten, dass sie auch von Nicht-Experten aufgegriffen und genutzt werden k\u00f6nnen. Um auch einer gewissen wissenschaftliche Betriebsblindheit zu entgehen, ist ein Nachfragen und eine Einmischung des Laienpublikums wichtig und hilfreich, um die Experten dazu zu bringen, ihr K\u00f6nnen auf externe, allgemein wichtige Probleme einzustellen. Und diese Experten sollten den Einsatz von Leidenschaft und Besessenheit nicht als unwissenschaftlichen Zustand und Kontrollverlust ansehen, sondern erkennen, dass (auch) Grenzen \u00fcberschritten werden m\u00fcssen, um Neues generieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">11. Einf\u00fchrung in den Spezialbereich F\u00fchrungstheorie<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>In meiner Doktorarbeit besch\u00e4ftigte ich mich mit dem Thema \u201ePersonalf\u00fchrung \u00e4lterer Arbeitnehmer \u2013 Herausforderungen an das F\u00fchrungsverhalten vor dem Hintergrund des demographischen Wandels\u201c. Aus diesem Grund befasse ich mich in diesem Expos\u00e9 mit den erkenntnistheoretischen Grundlagen der F\u00fchrungstheorie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber F\u00fchrungstheorie im allgemeinen wurde viel geschrieben, jedoch muss man das ganze Gebiet als wenig erforscht betrachten. Zwar liegen ausgesprochen viele Ans\u00e4tze zu einer Theorie der Personalf\u00fchrung vor, eine interdisziplin\u00e4re Integration der einzelnen Forschungsergebnisse hat jedoch bisher nicht stattgefunden.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Nachfolgend einige zitierte Ausz\u00fcge \u00fcber F\u00fchrungsstile, -theorien, und -lehren, die allesamt G\u00fcltigkeit haben und die Verwirrung auf diesem Gebiet aufzeigen sollen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der \u201epers\u00f6nliche\u201c F\u00fchrungsstil beschreibt das Verhaltensmuster, das ein F\u00fchrender&nbsp; &#8211; unabh\u00e4ngig von der jeweiligen Situation \u2013 dem Gef\u00fchrten gegen\u00fcber \u201egrunds\u00e4tzlich\u201c an den Tag legt. Max Weber (1864 \u2013 1920)&nbsp; unterscheidet drei Varianten: Der b\u00fcrokratischen F\u00fchrungsstil (&#8230;) Der patriarchalische F\u00fchrungsstil (&#8230;) Der&nbsp; charismatische F\u00fchrungsstil (&#8230;).<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\"><strong>[2]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In der F\u00fchrungslehre und \u2013forschung hat sich die Unterscheidung zwischen interaktioneller und struktureller F\u00fchrung \u201eeingeb\u00fcrgert\u201c.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zur Beantwortung der Frage, wie der Beeinflussungsprozess durch F\u00fchrung erfolgreich gestaltet werden kann, werden zahlreiche \u201eF\u00fchrungserfolgsmodelle\u201c entwickelt. Will man diese verschiedenen Modelle klassifizieren, so ist in einem ersten Schritt zwischen \u201euniversellen\u201c und \u201esituativen\u201c Theorien zu unterscheiden. (&#8230;) Es lassen sich also \u201euniverselle Eigenschaftstheorien\u201c, \u201euniverselle Verhaltenstheorien\u201c, \u201esituative Verhaltenstheorien\u201c und \u201esituative Eigenschaftstheorien\u201c voneinander unterscheiden.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Situation \u00fcber F\u00fchrungslehre, -forschung und -stile etwas zu l\u00f6sen, wird zuerst auf die historische Entwicklung der F\u00fchrungslehre eingegangen, um in weiterer Folge die g\u00e4ngigsten F\u00fchrungsstile zusammen mit den wichtigsten Forschungsrichtungen und Studien kurz zu erl\u00e4utern.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">12. Historische Entwicklung der F\u00fchrungslehre<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet man einen Auszug aus der historischen Entwicklung der F\u00fchrungs- bzw. Managementlehre kann man diese nach vier historischen Zeitabschnitten gliedern:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Periode 1: vorwissenschaftliches Management (vor 1880)<\/li><li>Periode 2: \u201ewissenschaftliche Betriebsf\u00fchrung\u201c, b\u00fcrokratisches Modell, Theorien des administrativen Management (1880 \u2013 1930)&nbsp; <em>(noch heute mehr oder weniger in der Praxis wirksam)<\/em><\/li><li>Periode 3: \u201eHuman-Relations-Modell\u201c (1930 \u2013 1950) <em>(noch heute mehr oder weniger in der Praxis wirksam)<\/em><\/li><li>Periode 4: Differenzierung und Weiterentwicklung der Managementlehre (1950 \u2013 Gegenwart)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Zu Periode 1<\/em>: Seit Menschen die Faktoren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe zu einer produktiven Kombination verbinden, gibt es Managementprobleme. F\u00fchrungsaufgaben wir Planung, Entscheidung, Organisation, Koordination, Motivation, etc. werden aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts begrifflich gefasst und systematisch untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu Periode 2<\/em>: Typisch f\u00fcr die klassische Managementlehre in diesem Zeitraum ist die Vernachl\u00e4ssigung des menschlichen Faktors in den Arbeitsorganisationen. Die Managementaufgaben werden auf die Effektivit\u00e4t des Unternehmens (in Form von Planung, Kontrolle und Organisation) und vor allem auf die Gewinnmaximierung ausgerichtet. Die systematische Analyse der Managementfunktionen ist untrennbar mit den Namen F. W. Taylor und Henri Fayol verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>F.W. Taylor gilt als Begr\u00fcnder der \u201eWissenschaftlichen Betriebsf\u00fchrung\u201c oder des \u201escientific mangements\u201c. Er betrachtete die systematisch geplante Arbeitsteilung als wichtigstes Instrument der Unternehmensf\u00fchrung, um Leistung und&nbsp; Zufriedenheit zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Taylorismus zeichnet sich heute durch einen eher unangenehmen Nachgeschmack aus, da er auf extreme Arbeitsteilung beruhende Arbeitsprozesse minimiert wurde. Taylors urspr\u00fcngliche Intention war jedoch die gegenl\u00e4ufigen Interessen von Betriebsleitung und Mitarbeiter auf objektiver, wissenschaftlicher Basis zufrieden zu stellen. Sein propagierter F\u00fchrungsstil kann aus heutiger Sicht als wohlwollend-patriachalischer F\u00fchrungsstil bezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Henri Fayol, einer der Pioniere der Entwicklung einer wissenschaftlich begr\u00fcndeten Managementlehre, beschrieb allgemeine Verwaltungsprobleme aus funktionaler Sicht durch f\u00fcnf Elemente: Planung, Organisation, Weisung, Koordination und Steuerung. Fayol setzte sich, im Gegensatz zu Taylor, mit dem Top-Management der industriellen Verwaltung auseinander und stellte vierzehn Managementprinzipien auf, die auch noch heute h\u00e4ufig in der Praxis als verbindliche Handlungsmaximen vorgegeben werden. Vor allem sein erstes Prinzip zeigt den F\u00fchrungsstil dieser Zeit: \u201e.. diejenigen, welche \u00fcber Autorit\u00e4t verf\u00fcgen&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu Periode 3:<\/em> Ende der 20 Jahre entstand in der USA die \u201eHuman-Relations-Bewegung\u201c als Reaktion auf die Vernachl\u00e4ssigung der sozio-emotionalen Bed\u00fcrfnisse des arbeitenden Menschen. Auf diese Bed\u00fcrfnisse stie\u00df man&nbsp; &#8211; eigentlich als Nebenergebnis \u2013 bei den ber\u00fchmten Hawthorne-Experimenten, bei der die Bedeutung sozialpsychologische Einflussgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr die Arbeitsleistung und \u2013zufriedenheit sichtbar wurde. Dieses Modell kann als historische Wurzel des prosozialen Aspekts der kooperativen F\u00fchrung gelten. Vor allem wurde dadurch die Forschung \u00fcber Konformit\u00e4t, Gruppenbeziehungen, Individual- und Gruppenleistungen, etc. angeregt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu Periode 4<\/em>: Die gegenw\u00e4rtige Entwicklung der Managementlehre zeigt zwei Hauptstr\u00f6mungen:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>verhaltenswissenschaftlicher, sozialpsychologischer Erkl\u00e4rungsansatz, hier vor allem die Human-Resources-Bewegung, mit ihrer Befriedigung sozio-emotionaler Bed\u00fcrfnisse, insbesondere des Selbstverwirklichungsbed\u00fcrfnisses des Menschen.<\/li><li>traditionell betriebswirtschaftlich-pragmatischen Ans\u00e4tze mit einer Hervorhebung des Leistungsaspektes in formalen Organisationen<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Auch die Psychologie als angewandte Wissenschaft hat sich, aufgrund des steigenden Bedarfs an \u201eF\u00fchrern\u201c in den Gro\u00dforganisationen der modernen Wirtschaft, mit diesem Thema auseinander gesetzt<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, ebenso wie die Soziologie, vor allem im Bereich der Industrie- und Arbeitssoziologie. Dies sei jedoch nur am Rande erw\u00e4hnt, da eine \u00dcbersicht \u00fcber diese Bereiche den Umfang der Arbeit sprengen w\u00fcrde.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">13. Die g\u00e4ngigsten F\u00fchrungsans\u00e4tze<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet man sich nun die drei g\u00e4ngigsten F\u00fchrungsans\u00e4tze, kommt man auf folgende Auflistung:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>eigenschaftstheoretischer Ansatz<\/li><li>verhaltenstheoretischer Ansatz<\/li><li>situationstheoretischer Ansatz<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em><strong>Der eigenschaftstheoretische Ansatz:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist der \u00e4lteste und am l\u00e4ngsten vorherrschende Ansatz. Diese Ansatz geht von der Annahme aus, dass der F\u00fchrungserfolg von den Eigenschaften des F\u00fchrers abh\u00e4ngig ist.<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Bei der Eigenschaftstheorie werden weder die Gef\u00fchrten noch die situativen Umst\u00e4nde einer Aktion ber\u00fccksichtigt, sondern es dreht sich alles um einen Einzelnen, der sich vor allem durch seine Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale als F\u00fchrer auszeichnet. Ausgangspunkt dieses Pers\u00f6nlichkeitsansatzes ist die Annahme, dass ein F\u00fchrer bestimmte individuelle, physische oder psychologische Merkmale aufweist, durch die er sich von den Gef\u00fchrten abhebt.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Damit wird vor allem Augenmerk auf die individuellen Eigenschaften des F\u00fchrenden gelegt, wobei man in den Anf\u00e4ngen der Geschichte davon ausgegangen ist, dass es geborene F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten gibt, die in jeder Situation gut f\u00fchren. Drei Forschungsrichtungen k\u00f6nnen differenziert werden:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>wie weit unterscheiden sich F\u00fchrende von Nicht-F\u00fchrenden<\/li><li>welche Motivation haben Individuen, F\u00fchrungsrollen einzunehmen<\/li><li>wie beurteilt der Gef\u00fchrte die \u201eideale\u201c F\u00fchrungskraft<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zu 1: Diese Forschungsfrage war vor allem in der ersten H\u00e4lfte des vorigen Jahrhunderts sehr popul\u00e4r, wurde jedoch durch die eher ern\u00fcchternden Ergebnisse kaum noch weiterbetrieben. Prinzipiell l\u00e4sst sich sagen, dass sich der&nbsp; F\u00fchrende durch Intelligenz, Schulerfolge, Verl\u00e4sslichkeit bei der Wahrnehmung der Verantwortung, Aktivit\u00e4t und soziale Beteiligung wie auch sozio\u00f6konomischer Status von den Durchschnittsmenschen unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 2: McClelland differenzierte hier drei Schl\u00fcsselmotive: Leistungsstreben, Machstreben und soziales Streben, die jeweils einen starken Einfluss auf das kurzfristige und langfristige Verhalten einer Person haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu 3: Gef\u00fchrte haben prototypische Vorstellungen, welche Attribute wahrgenommen werden m\u00fcssen, um einer Person F\u00fchrungsqualit\u00e4ten zuzusprechen. Ein Auszug: vertrauensw\u00fcrdig, ehrlich, ermutigend, dynamisch, vorausschauend, kommunikativ, entscheidungsfreudig, etc.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Der verhaltenstheoretische Ansatz<\/em>:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kritik an der eigenschaftstheoretischen Forschungsrichtung f\u00fchrte gegen Ende der vierziger Jahre<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a> dazu, dass sich das Augenmerk der Untersuchungen mehr und mehr auf die F\u00fchrer-Gef\u00fchrten-Beziehung richtete. Die soziale Interaktion r\u00fcckte in den Mittelpunkt der F\u00fchrungsanalyse.<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Es kam zu einem Paradigmenwechsel weg von den F\u00fchrungseigenschaften hin zum F\u00fchrungsverhalten.<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigsten Studien zusammengefasst ergeben folgende Auflistung:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>die Iowa-Studien von Lewin (Auswirkungen auf gef\u00fchrte Gruppen bei autorit\u00e4rem, demokratischen und laissez-faire F\u00fchrungsstil)<\/li><li>die Ohio-State-Studien (aufbauend auf der Iowa-Studie; Entwicklung eines Instruments zur Kategorisierung von F\u00fchrungsverhalten: der Ohio-State-Leadership-Quadrant)<\/li><li>das Grid-Modell nach Black\/Mouton (Erstellung eines Verhaltensgitter mit 81 unterschiedlichen F\u00fchrungsstilen wie z.B. dem 9,1-F\u00fchrungsstil (autorit\u00e4r) bis hin zum 1,9-F\u00fchrungsstil (mitarbeiterorientiert) bis zum Idealfall 9,9-F\u00fchrungsstil (stark sachorientiert als auch mitarbeiterorientiert)<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong><em>Der situationstheoretische Ansatz<\/em>:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den 70er und 80er Jahren r\u00fcckte die Frage nach dem Einfluss der Unternehmensumwelt auf die F\u00fchrung in den Vordergrund der Betrachtung. Hier wird die These vertreten, dass Planung und Organisation in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich effizient sein k\u00f6nnen. Damit sei eine situative F\u00fchrung, bezogen auf die Ver\u00e4nderungen der wirtschaftlichen, politisch-rechtlichen und gesellschaftlichen Umwelt, einzusetzen.<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Auch hier wieder ein \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Studien:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>die \u201eKontingenztheorie der F\u00fchrung\u201c von Fiedler (Ermittlung des F\u00fchrungsstils einer Person aufgrund des sogenannten LPC-Wertes = least preferred coworker; ein hoher LPC-Wert bedeutet eher beziehungsmotiviert, ein niedriger eher aufgabenmotiviert)<\/li><li>die \u201eSituative-Reifegrad\u201c-Theorie (vier F\u00fchrungsstile: Integrationsstil, autoritativer Stil, Partizipationsstil, Delegationsstil; ja nachdem, wo sich der Reifegrad der Mitarbeiter befindet, wird der entsprechende F\u00fchrungsstil eingesetzt)<\/li><li>das \u201eNormative Entscheidungsmodell\u201c von Vroom\/Yetton (gibt dem F\u00fchrenden vor, f\u00fcr welchen F\u00fchrungsstil er sich in welcher Situation zu entscheiden hat; dies wird mit Hilfe eines Entscheidungsbaums bewerkstelligt)<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zuk\u00fcnftig zeichnet sich ein Trend in Richtung der \u00f6konomischen Theorie ab, die zu Lasen der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Ans\u00e4tze der F\u00fchrungsforschung gehen. Hierzu z\u00e4hlen vor allem institutionen\u00f6konomische und spieltheoretische Ans\u00e4tze.<a href=\"#_ftn17\" id=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Schon von Beginn der F\u00fchrungsgeschichte an, versuchten die F\u00fchrenden ihre Mitarbeiter zur Leistungserbringung zu motivieren. Dies hat eine eigene Bewegung \u2013 die Motivationsforschung \u2013 hervorgebracht, wo es vor allem darum geht, das \u201eWarum\u201c menschlichen Verhaltens zu beantworten. Die wichtigsten Vertreter sind dabei<\/p>\n\n\n\n<ul><li>die Motivation-Hygiene-Theorie von Herzberg<\/li><li>die Theorie der Bed\u00fcrfnishierarchie von Maslow<\/li><li>die Equity-Theorie von Adams<\/li><li>die Erwartungs-Valenz-Theorie von Vroom u.a.<a href=\"#_ftn18\" id=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Auf n\u00e4here Erkl\u00e4rungen zu diesem Bereich und seine unentbehrlichen Zusammenh\u00e4nge mit der F\u00fchrungsarbeit wird in diesem Expos\u00e9 nicht weiter eingegangen, da es den Umfang der Arbeit sprengen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h2><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">13. Fazit<\/mark><\/h2>\n\n\n\n<p>Am Ende dieser Arbeit muss ich eingestehen, dass das Thema \u201eErkenntnis- und Wissenschaftstheorie\u201c doch bedeutender ist, als ich am Anfang angenommen habe. Zu Beginn war ich bez\u00fcglich der \u201eErkenntnisse\u201c, die mir diese Thematik liefern soll, recht skeptisch eingestellt. Dies hat sich \u2013 nach Beendigung des ersten Teils \u2013 auch nicht wirklich ver\u00e4ndert, obwohl ich einige gute alte bekannte Themenbereiche aus meiner Studienzeit wieder getroffen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst die Bearbeitung des zweiten Teils hat mir die Augen f\u00fcr die Wichtigkeit dieses Themas er\u00f6ffnet. Am Anfang meiner Recherche stand Chaos; ich wusste nicht wo anfangen, was ist wichtig, was darf nicht vergessen werden, wo kann man Abstriche machen? Vielleicht ist es mir nicht gelungen, den Anforderungen vollst\u00e4ndig zu gen\u00fcgen. Jedoch habe ich das erste Mal das Gef\u00fchl, ich verstehe die Zusammenh\u00e4nge, die Historie und den Aufbau von F\u00fchrungslehre. Es ist nicht mehr nur eine gro\u00dfe verwirrende Masse von Begriffen und Papier, sondern durch die Besch\u00e4ftigung mit der Materie \u2013 durch den Versuch Erkenntnis zu erlangen \u2013 wurde das Mysterium etwas gel\u00fcftet. Von dieser \u201eErkenntnis\u201c&nbsp; werde ich bez\u00fcglich der Abfassung meiner Doktorarbeit noch sehr profitieren, da ich nun wei\u00df, wie ich mich schwierigen, un\u00fcbersichtlich erscheinenden Stoffgebieten n\u00e4hern kann. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich danken.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color\">Literaturverzeichnis<\/mark><\/h3>\n\n\n\n<p>Hentze, Joachim \/ Brose, Peter (1986), Personalf\u00fchrungslehre: Grundlagen, F\u00fchrungsstile, Funktionen und Theorien der F\u00fchrung; ein Lehrbuch f\u00fcr Studenten und Praktiker, Verlag Paul Haupt, Bern und Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p>Kuhn, Alfred (1982) Unternehmensf\u00fchrung, Verlag Franz Vahlen, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p>Mayerhofer, Wolfgang (2001) Motivation und Arbeitsverhalten in Kasper, Helmut \/ Mayrhofer, Wolfgang Personalmanagement F\u00fchrung Organisation, Linde Verlag, Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Schmalen, Helmut (2001) Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft, 11., vollst. \u00fcberarb. und erw. Aufl., Verlag Sch\u00e4ffer-Poeschel, Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p>Steyrer, Johannes (2002) Theorien der F\u00fchrung in Kasper, Helmut \/ Mayrhofer, Wolfgang Personalmanagement F\u00fchrung Organisation, Linde Verlag, Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Von Eckardstein, Dudo (2002) Personalmanagement in Kasper, Helmut \/ Mayrhofer, Wolfgang Personalmanagement F\u00fchrung Organisation, Linde Verlag, Wien<\/p>\n\n\n\n<p>Von Rosenstiel, Lutz (1987) Grundlagen der Organisationspsychologie: Basiswissen und Anwendungshinweise, 2. Auflage, Sammlung Poeschel, Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderer, Rolf (1980) F\u00fchrungslehre, Verlag de Gruyter, Berlin, New York<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf\">http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf<\/a> (18.09.2007)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> vgl. Kuhn (1982), S. 157<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Schmalen (2001), S. 290<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> von Eckardstein (2002), S. 385<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Steyrer (2002), S. 161f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> vgl. Wunderer (1980), S. 277 ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> vgl. von Rosenstiel (1987), S. 150<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> vgl. Hentze \/ Brose (1986), S. 109<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf\">http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf<\/a> (18.09.2007)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> vgl. Hentze\/Brose (1986), S. 109<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> vgl. Steyrer (2001), S. 170ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> vgl. Hentze \/ Brose (1986), S. 115<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf\">http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf<\/a> (18.09.2007)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> vgl. Hentze \/ Brose (1986), S. 115<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a> vgl. Steyrer (2001), S. 177ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf\">http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf<\/a> (18.09.2007)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> vgl. Steyrer (2001), S. 191ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf\">http:\/\/www.utb-stuttgart.de\/1082_Einleitung.pdf<\/a> (18.09.2007)<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn18\" href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Mayerhofer (2001), S. 260ff<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\"><strong><em>Stand 2007<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Verena Gr\u00fcnwald 1. Einf\u00fchrung Diese Arbeit ist in zwei Bereiche gegliedert. Im ersten Teil (Kapitel 2 bis 10) wird das Buch \u201eWissenschaftstheorie f\u00fcr Einsteiger\u201c von Johann August Sch\u00fclein und Simon Reitze (2005, 2. Auflage, WUV Facultas, Wien) zusammengefasst und ein \u00dcber- und Ausblick bez\u00fcglich Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie vermitteln. Im zweiten Teil (Kapitel 11 bis<\/p>\n<p class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/be-co\/wissenschaftliche-arbeiten\/fachspezifische-arbeiten-be-co\/wissensschaftstheorie\/\" class=\"themebutton\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1222,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1245"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1245"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1248,"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1245\/revisions\/1248"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.verenagruenwald.com\/WP\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}